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Über Weißrußland (Belarus)

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 10.04.2008

Statistische Angaben über Weißrußland (Belarus)

Belarus oder Weißrußland (in neuer Rechtschreibung "Weißrussland", manchmal auch Belorußland o.ä. genannt), offiziell "Respublika Belarus", ist ein seit 1992 unabhängiger Binnenstaat in Osteuropa. Seit Ende 1999 bildet Weißrußland formell eine Union mit Russland, die sich aber praktisch bislang nicht auswirkt. Belarus grenzt im Norden und Osten an Russland, im Südosten und Süden an die Ukraine, im Westen an Polen und im Nordwesten an Litauen und Lettland.

bilder/fauna.jpg- Fläche: 207.595 qkm
- Einwohner: (1992) 10.235 Mio., (2001) 9,951 Mio.
- Hauptstadt: Minsk
- Verwaltungsgliederung: 6 Gebiete (sog. Oblasts: Brest, Gomel, Mogilew, Witebsk, Grodno und Minsk) mit insgesamt 117 Bezirken (sog. Rayons, davon entfallen auf Brest 16, Gomel 21, Mogilew 21, Witebsk 21, Grodno 17 und Minsk 21)
- Amtssprachen: Weißrussisch und Russisch
- Nationalfeiertag: 2.6., 27.7. (Tag der Unabhängigkeit)
- Währung: 1 Belarus-Rubel (BYR) = 100 Kopeken
- Zeitzone: Osteuropäische Zeit (OEZ = MEZ plus 1 Stunde)
- Landesgrenzen: total 2.969 km, Lettland 143 km, Litauen 462 km, Polen 399 km, Rußland 990 km, Ukraine 975 km

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Landkarte von Weißrußland (Belarus)
belarus_karte.gif
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Staat und Recht

natur.jpgNach der Verfassung vom 15.3.1994 (per Referendum vom 24.11.1996 geändert) ist Weißrußland (Belarus) eine präsidiale Republik mit Mehrparteiensystem. Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der mit weitgehenden Vollmachten ausgestattete, auf 5 Jahre direkt gewählte Präsident. Er bestimmt die Richtlinien der Politik, ist Inhaber der Notstandsgewalt, verfügt über ein weit reichendes Verordnungsrecht sowie im Gesetzgebungsverfahren über Initiativ- und Vetorecht und ernennt bzw. entläßt die Mitglieder des Kabinetts, das von einem Ministerpräsidenten geleitet wird.

Die Legislative liegt beim Zweikammerparlament (Nationalversammlung; vierjährige Legislaturperiode), bestehend aus Repräsentantenhaus (110 Abgeordnete) und Rat der Republik (64 Mitglieder, davon 8 vom Präsidenten ernannt). Einflußreichste Parteien sind Partei der Kommunisten Weißrußlands (PKB), Agrarpartei (AP), Partei der Volksfront "Adradschennje" ("Wiedergeburt"), Sozialdemokratische Partei "Volkshramada" und Vereinigte Bürgerpartei.

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Geographie und Klima

landschaft.jpgWeißrußland liegt zum größten Teil im Bereich der Osteuropäischen Ebene. Die Oberflächenformen wurden wesentlich durch die pleistozänen Inlandvereisungen geprägt. Die Polatsker Niederung im äußersten Norden ist eine von Sanden und Bändertonen erfüllte, vermoorte und seenreiche glaziale Stauseeausfüllung. Nach Süden folgen weitere, von Moränenzügen unterbrochene Ebenen, die vom Weißrussischen Landrücken (bis 346 m über dem Meeresspiegel) begrenzt werden. Im Süden dehnt sich die flache Sumpfregion Polessje aus.

Das Klima ist im Westen maritim, im Osten zunehmend kontinentaler. Das mittlere Januarmittel liegt zwischen 5,1 Grad Celsius im Westen bis 7,5 Grad Celsius im Osten, das mittlere Julimittel entsprechend zwischen 18 Grad und 20 Grad Celsius. Die Summe der Jahresniederschläge nimmt von 600 - 650 mm im Nordwesten auf 550 mm im Südosten ab.

tschernobyl.jpgRund ein Drittel der Fläche sind Wälder (besonders Mischwälder), über 20 Prozent Moorflächen. Weißrusland ist reich an Oberflächenwasser und besitzt ca. 10.000 Binnenseen, 130 Staubecken und 20.000 große und kleine Flüsse. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26.4.1986 hatte verheerende Auswirkungen für Weißrußland. Etwa ein Drittel des Territoriums der Republik wurde kontaminiert. Bislang wurden etwa 120.000 Menschen aus hoch belasteten Gebieten evakuiert.

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Bevölkerung, Religion und Bildung

Die Bevölkerung setzt sich zu rund 78 Prozent aus Weißrussen, 13 Prozent Russen, 4 Prozent Polen, 3 Prozent Ukrainern, 1 Prozent Juden u.a. zusammen. Weißrußland gehört mit 50 Einwohnern je qkm zu den schwächer bevölkerten Staaten Europas. Am dichtesten besiedelt sind die nördlichen, westlichen und östlichen Landesteile, am geringsten Polessje im Süden.

trachten.jpgDie staatliche Religionsstatistik weist rund 72 Prozent der Bevölkerung als orthodoxe Christen aus. Über 10 Prozent der Bevölkerung gehören der katholischen Kirche an (darunter in geringer Zahl Katholiken des byzantinischen Ritus), knapp 1 Prozent protestantischen Kirchen und Gemeinschaften (besonders Pfingstler und Baptisten). Zahlenmäßig kleine nicht christliche religiöse Minderheiten bilden die Juden (seit 1989 starke Auswanderung) und die Muslime (in der Sowjetzeit in Weißrußland angesiedelte Tataren).

Es besteht zehnjährige Schulpflicht. Die Analphabetenquote beträgt 2,1 Prozent. Weißrußland verfügt über eine Nationale Akademie der Wissenschaften; der staatliche, öffentlich zugängliche Hochschulsektor umfasst zwölf Universitäten, fünf Akademien und 16 Institute. Darüber hinaus gibt es zwölf private Hochschulen.

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Wirtschaft und Verkehr

Die Umstrukturierung zur Marktwirtschaft setzte in Weißrußland erst relativ spät ein (Privatisierungsgesetz im Februar 1993) und vollzieht sich langsam. Die verheerenden Folgen des Reaktorunfalls in Tschernobyl für die Wirtschaft, die stark verteuerten russischen Energielieferungen sowie der Verlust westlicher Absatzmärkte und fehlende Modernisierungs-und Privatisierungsbemühungen, gepaart mit einer reformunwilligen Haltung verantwortlicher Kräfte in Regierung und Verwaltung, wirkten sich hemmend auf die Wirtschaftsentwicklung aus, wobei besonders die Landwirtschaft betroffen ist. Durch eine starke Anlehnung an Russland sollen die wirtschaftlichen Probleme des Landes schneller überwunden werden.

traktor.jpgDie Wirtschaft wird stark vom Staat kontrolliert und gilt in Teilen als letzte Planwirtschaft Europas. In der Landwirtschaft dominieren weiterhin die aus der Sowjetzeit stammenden Kolchosen und Sowchosen, die noch etwa 80 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche bewirtschaften. Etwa 15 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden in persönlichen Hauswirtschaften von Kolchosmitgliedern bestellt. Durch den Reaktorunfall von Tschernobyl sind etwa ein Viertel der Fläche, die etwa 12 Mio. ha beträgt, kontaminiert und der landwirtschaftlichen Nutzung somit weitgehend entzogen.

Angebaut werden u.a. Hafer, Roggen, Weizen, Triticale, Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse; im Norden wird u.a. Flachs angebaut, im Süden auch Hanf. Führend ist die Viehhaltung, besonders von Rindern (Milcherzeugung) und Schweinen. An Bodenschätzen werden Kalisalze, Steinsalz, Torf und Phosphate, in geringen Mengen Erdöl und Erdgas gefördert. Der hohe Anteil von Torf bei der Energieerzeugung führt zu starken Umweltbelastungen.

Der Aufbau einer Industrie begann erst in den 1950er und 1960er Jahren. Sie verfügt über ein relativ gut ausgebautes verarbeitendes Gewerbe, ist aber stark von Rohstoff- und Energieimporten abhängig.

lkw.jpgWichtigste Zweige sind der Maschinen- (Land- und Werkzeugmaschinen), Fahrzeug- (Pkw, Traktoren, Motoren und Fahrräder) und Gerätebau (besonders Geräte der Nachrichtentechnik) sowie die elektrotechnisch-elektronische Industrie, die chemische Industrie (Chemiefaser- und Düngemittelproduktion) einschließlich Erdölverarbeitung (Raffinerien in Mosyr und Nowopolozk) und die Nahrungsmittelindustrie und Lederverarbeitung. Traditionelle Industriezweige sind Textil- (besonders Leinen- und Seidenstoffherstellung), Holz- und Baustoffindustrie.

Ausgeführt werden Kalidüngemittel, Chemieerzeugnisse und Konsumgüter (besonders Textilien) sowie Maschinenbauprodukte. Hauptimportgüter sind neben Energierohstoffen und Elektroenergie auch Maschinen, Industrieausrüstungen und Fahrzeuge, Lebensmittel sowie metallurgische Erzeugnisse. Der hohe Bedarf an Nahrungsmitteln wie Getreide, Zucker und Pflanzenöl sowie an Medikamenten für radioaktiver Strahlung ausgesetzte Menschen kann im Wesentlichen nur durch Kompensationsgeschäfte gedeckt werden. Haupthandelspartner sind Russland (1998: 59 Prozent des Außenhandelsumsatzes), die Ukraine, Deutschland, Polen, Litauen und Lettland.

lkw2.jpgWeißrußland ist ein wichtiges Transitland im Eisenbahn- (Streckennetz 5.523 km, davon 889 km elektrifiziert) und Straßenverkehr (50.825 km befestigt). Das Binnenwasserstraßennetz umfaßt 2.500 km. Internationaler Flughafen in Minsk. Durch das Land führen wichtige russische Exportleitungen für Erdöl (2.909 km, darunter ein Abschnitt der Erdölleitung "Freundschaft") und Erdgas (1.980 km, darunter die Erdgasleitung Jamal - Westeuropa).

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Geschichte
- Anfänge bis 19. Jahrhundert -

Nach der Besiedlung durch Ostslawen bildeten sich auf dem Gebiet von Weißrußland in der 2. Hälfte des 1. Jahrtausends n. Chr. die Stämme der Dregowitschen, Radimitschen und Kriwitschen heraus. Die von ihnen begründeten Fürstentümer (z.B. Polozk) gerieten ab dem 9. Jahrhundert unter die Herrschaft des Kiewer Reiches, dessen Großfürsten das Christentum in Weißrußland einführten.

wappen_witebsk.jpgIm 11. Jahrhundert entstanden u.a. die Städte Brest, Minsk, Witebsk. Im 12. Jahrhundert zerfiel das Kiewer Reich in die Fürstentümer Polozk-Minsk, Tmow-Pinsk, Smolensk u.a. Seit dem 13. / 14.Jahrhundert gehörten diese zum Großfürstentum Litauen, in dem die weißrussische Sprache längere Zeit Kanzleisprache war.

Mit der Union von Lublin (1569) zwischen Litauen und Polen wuchs der polnische Einfluß in Weißrußland, dessen Adel überwiegend die polnische Sprache annahm und zum Katholizismus konvertierte, während die übrige (vorwiegend bäuerliche) Bevölkerung der orthodoxen Kirche verbunden blieb. Zahlreiche weißrussische Städte entwickelten sich zu Handels- und Handwerkszentren; das einer Reihe von ihnen zugestandene Magdeburger Stadtrecht (u.a. Minsk 1499, Witebsk 1597) gestattete ihnen die Selbstverwaltung.

Mit den Polnischen Teilungen (1772, 1793 und 1795) kam Weißrußland zum Russischen Reich; während des Rußlandfeldzuges Napoleons I. fand 1812 auf weißrussischem Territorium die Schlacht an der Beresina statt. Im 19. Jahrhundert bildeten sich Anfänge einer weißrussischen Nationalbewegung heraus; 1898 wurde in Minsk die "Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands" gegründet.

- Erster und Zweiter Weltkrieg -

Im Ersten Weltkrieg besetzten deutsche Truppen 1915 zunächst westliche Teile, im Februar 1918 weitere Gebiete von Weißrußland einschließlich der Hauptstadt Minsk. Die nach dem Sturz des Zaren 1917 gebildete bürgerliche "Weißrussische Rada" strebte ein selbstständiges Weißrußland an; eine im März 1918 von ihr ausgerufene Volksrepublik wurde jedoch von der deutschen Besatzungsmacht nicht anerkannt.

Bis Anfang Januar 1919 etablierte sich die Sowjetmacht in ganz Weißrußland (Ausrufung der Weißrussischen SSR am 1.1.1919); von Februar bis April 1919 bestand die Litauisch-Weißrussische SSR ("Litbel"). Nach dem Polnisch-Sowjetischen Krieg musste Weißrußland im Frieden von Riga (18.3.1921) seine westlichen Gebiete an Polen abtreten. Im Dezember 1922 gehörte es zu den Gründungsmitgliedern der UdSSR. 1924 und 1926 wurde sein Territorium um einige zuvor zu Russland (RSFSR) gehörende Gebiete (hauptsächlich Witebsk und Gomel sowie ein Kreis des Smolensker Gebiets) vergrößert. Ende der 1920er Jahre setzten die Repressalien der stalinschen Diktatur gegen die nationale Intelligenz und die Bauernschaft ein.

60jahre-gebiete_von_polen.jpgZwischen 1937 und 1941 ließ Stalin durch das NKWD viele Weißrussen erschießen (nach jüngsten Schätzungen allein etwa 250.000 in den Wäldern von Kuropaty bei Minsk; 1988 Entdeckung der dortigen Massengräber); insgesamt sollen dem stalinschen Terror (nach stark voneinander abweichenden Angaben) zwischen 600.000 und 2 Mio. Menschen zum Opfer gefallen sein. Nach dem militärischen Zusammenbruch Polens zu Beginn des Zweiten Weltkrieges und der sowjetischen Besetzung Ostpolens (September 1939) gliederte die UdSSR auf der Grundlage des Hitler-Stalin-Paktes die 1921 an Polen abgetretenen westlichen weißrussischen Gebiete im November 1939 wieder der Weißrussischen SSR ein (dadurch nahezu territoriale Verdopplung).

wk2.jpgVon 1941 bis 1944 war Weißrußland von deutschen Truppen besetzt (als "Generalbezirk Weißruthenien" war es Teil des "Reichskommissariats Ostland"). Durch die Auswirkungen des Krieges und den faschistischen Terror verloren zwischen 1941 und 1943 rund 2,23 Mio. Menschen (d.h. ein Viertel der damaligen weißrussischen Einwohner) ihr Leben; der größte Teil der jüdischen Bevölkerung wurde zunächst in Gettos zusammengedrängt (u.a. in Minsk, Mogiljow, Witebsk) und später von Einsatzgruppen der SS ermordet. Gegen die brutale deutsche Okkupationspolitik richtete sich eine in Weißrußland sehr starke Partisanenbewegung (ab Mitte 1942 etwa 300.000 Mitglieder); SS- und Wehrmachtseinheiten reagierten mit grausamen "Vergeltungsaktionen" (Vernichtung vieler Dörfer mitsamt ihren Bewohnern; zur symbolhaften Gedenkstätte für diese ausgelöschten Ortschaften wurde das in der Nähe von Minsk gelegene Chatyn). Auf ihrem Rückzug zerstörten die deutschen Truppen das Land systematisch.

- Nachkriegszeit bis 1990 -

wappen_minsk.jpgNach Kriegsende legte ein polnisch-sowjetischer Vertrag (16.8.1945) die Curzon-Linie mit geringen Abweichungen (Rückgabe des Gebiets von Bialystok an Polen) als gemeinsame Grenze fest; daraufhin wurden rd. 1,5 Mio. Polen ausgesiedelt, umgekehrt verließen etwa 500.000 Weißrussen und Ukrainer das polnische Staatsgebiet. Weißrußland war 1945 Gründungsmitglied der UN.

In den Nachkriegsjahrzehnten durchlief Weißrußland eine Industrialisierungsphase (Höhepunkt der wirtschaftlichen Modernisierung unter dem weißrussischen Parteichef Pëtr Mascherau 1965 - 1980); zwischen 1970 und 1984 wies Weißrußland sogar das größte Wirtschaftswachstum aller Unionsrepubliken auf. Damit einher ging eine verstärkte Russifizierung Weißrußlands (Besetzung zahlreicher hoher Partei- und Verwaltungsämter durch Russen, Verdrängung der weißrussischen Sprache aus dem öffentlichen Leben).

Weißrußland galt bis zum Zerfall der Sowjetunion als eine weitgehend "ruhige" Sowjetrepublik. Allerdings mobilisierte das Reaktorunglück im ukrainischen Tschernobyl vom 26.4.1986, das sich in Weißrußland weitaus verheerender auswirkte als in der Nachbarrepublik, große Teile der weißrussischen Bevölkerung gegen die sowjetische Zentralregierung, u.a. wegen deren verharmlosender Informationspolitik und der schweren Versäumnisse bei der Bewältigung der Folgen der Katastrophe (erst 1989 wurden umfangreiche Maßnahmen zur Dekontaminierung der verstrahlten Gebiete und zur Evakuierung der betroffenen Menschen eingeleitet).

- Seit 1990 -

unabhaengigkeit.jpgAm 27.7.1990 erklärte Weißrußland seine Souveränität innerhalb der UdSSR, am 26.8.1991 seine Unabhängigkeit. Im September 1991 wurde S. Schuschkjewitsch Parlamentspräsident (Staatsoberhaupt) und der Staatsname in "Republik Weißrußland" (Belarus) geändert. Im Dezember 1991 gehörte Weißrußland zu den Mitbegründern der GUS ("Gemeinschaft Unabhängiger Staaten"). Das nach dem Moskauer Putschversuch 1991 verhängte Verbot der KP in Weißrußland wurde 1993 per Parlamentsbeschluß wieder aufgehoben. In dem 1990 (noch zur Zeit des Bestehens der UdSSR) berufenen Parlament konnte die altkommunistische Nomenklatura ihre Macht weitgehend erhalten und verhinderte tief greifende wirtschaftlich-gesellschaftliche Reformen.

gus.jpgDie Regierung unter Ministerpräsident W. Kebitsch (1990 - 1994) nahm Kurs auf die Wiederherstellung einer engen wirtschaftlich-militärischen Bindung an Russland; 1993 beschloß das Parlament den Beitritt zum Beistandspakt der GUS. Außenpolitisch kam es zu einer Annäherung an Polen, mit dem Weißrußland 1992 einen Nachbarschaftsvertrag abschloß (Bestätigung der bestehenden Grenzen und Einigung über die Rechte der polnischen beziehungsweise weißrussischen Minderheit). Weißrußland, auf dessen Territorium ein größeres Atomwaffenarsenal der früheren Sowjetunion lagerte, optierte für eine künftige Atomwaffenfreiheit und ratifizierte im Februar 1993 den Vertrag über die Reduzierung strategischer Kernwaffen (START; 1996 Abzug der letzten SS-25-Raketen nach Russland).

Im Januar 1994 setzte das Parlament den als Staatsoberhaupt fungierenden, reformorientierten Parlamentspräsidenten Schuschkjewitsch durch ein Misstrauensvotum ab. Nach Einführung der Verfassung wurde im Juli 1994 A. Lukaschenka zum Staatspräsidenten gewählt; dieser suchte in der Folgezeit ein Präsidialregime zu errichten und unterdrückte zunehmend die Opposition (u.a. im August 1995 Verbot der freien Gewerkschaften, zunehmende Pressezensur); dennoch kam es immer wieder zu politischen Demonstrationen, aber auch wirtschaftlich-sozial motivierten Streiks.

Im November 1996 setzte Lukaschenka ein international kritisiertes Verfassungsreferendum durch, das zur Auflösung des Obersten Sowjets führte und die Einführung eines Zweikammerparlaments sowie eine stärkere Stellung des Präsidenten autorisierte; zugleich ließ sich Lukaschenka seine Amtszeit bis 2001 verlängern. Die innenpolitische Situation spitzte sich danach weiter zu. Der Versuch des von Lukaschenka entmachteten Obersten Sowjets, am 16.5.1999 Präsidentschaftswahlen durchzuführen (Teilnahme von angeblich 53 Prozent der Stimmberechtigten), scheiterte nicht nur an den staatlichen Repressionen (zahlreiche Verhaftungen), sondern auch an der Uneinigkeit der Opposition. In den umstrittenen, von verschiedenen Oppositionsparteien boykottierten Parlamentswahlen im Oktober 2000 setzten sich mehrheitlich Gefolgsleute von Lukaschenka durch.

union.jpgIn der Außenpolitik hielt Lukaschenka an der engen Kooperation mit Russland fest (am 2.4.1996 formale Begründung einer russisch-weißrussischen "Gemeinschaft Souveräner Republiken", Unterzeichnung von Unionsverträgen am 2.4.1997 und am 8.12.1999). Im Frühjahr 1999 exponierte sich Weißrußland als Gegner der NATO-Intervention im Kosovo. Die Krise um die Minsker Diplomatensiedlung "Drosdy" (Aufforderung der weißrussischen Regierung an Diplomaten, diese zu verlassen) führte im Sommer 1998 seitens der EU-Staaten, ebenso seitens der USA, Japans und Polens zum zeitweiligen Abzug ihrer Botschafter und zu einer weitgehenden außenpolitischen Isolierung Weißrußlands, die auch nach Einlenken der weißrussischen Regierung im Dezember 1998 weiter bestand.

... wird fortgesetzt ...

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Literatur

- Länderbericht Weißrußland, herausgegeben vom Statistischen Bundesamt. Stuttgart 1994

- Holtbrügge, D.: Weißrußland, München 1996

- Förster, H.L.: Von der Diktatur zur Demokratie und zurück? Eine Auseinandersetzung mit der Problematik der Systemtransformation am Beispiel der ehemaligen Sowjetrepublik Belarussland, Hamburg 1998

- Weißrußland und der Westen, herausgegeben von F. Scholz, Dresden 1998, Copyright 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG

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