| Statistische Angaben Landkarte Staat und Recht Geographie und Klima Bevölkerung, Religion und Bildung Wirtschaft und Verkehr Geschichte Bildergalerie Literatur nach unten |
Belarus oder Weißrußland (in neuer Rechtschreibung "Weißrussland", manchmal auch Belorußland o.ä. genannt), offiziell "Respublika Belarus", ist ein seit 1992 unabhängiger Binnenstaat in Osteuropa. Seit Ende 1999 bildet Weißrußland formell eine Union mit Russland, die sich aber praktisch bislang nicht auswirkt. Belarus grenzt im Norden und Osten an Russland, im Südosten und Süden an die Ukraine, im Westen an Polen und im Nordwesten an Litauen und Lettland.
|
||
| zurück |
![]() |
||
| zurück |
|
Die Legislative liegt beim Zweikammerparlament (Nationalversammlung; vierjährige Legislaturperiode), bestehend aus Repräsentantenhaus (110 Abgeordnete) und Rat der Republik (64 Mitglieder, davon 8 vom Präsidenten ernannt). Einflußreichste Parteien sind Partei der Kommunisten Weißrußlands (PKB), Agrarpartei (AP), Partei der Volksfront "Adradschennje" ("Wiedergeburt"), Sozialdemokratische Partei "Volkshramada" und Vereinigte Bürgerpartei. |
| zurück |
|
Das Klima ist im Westen maritim, im Osten zunehmend kontinentaler. Das mittlere Januarmittel liegt zwischen 5,1 Grad Celsius im Westen bis 7,5 Grad Celsius im Osten, das mittlere Julimittel entsprechend zwischen 18 Grad und 20 Grad Celsius. Die Summe der Jahresniederschläge nimmt von 600 - 650 mm im Nordwesten auf 550 mm im Südosten ab.
|
||
| zurück |
Die Bevölkerung setzt sich zu rund 78 Prozent aus Weißrussen, 13 Prozent Russen, 4 Prozent Polen, 3 Prozent Ukrainern, 1 Prozent Juden u.a. zusammen. Weißrußland gehört mit 50 Einwohnern je qkm zu den schwächer bevölkerten Staaten Europas. Am dichtesten besiedelt sind die nördlichen, westlichen und östlichen Landesteile, am geringsten Polessje im Süden.
Es besteht zehnjährige Schulpflicht. Die Analphabetenquote beträgt 2,1 Prozent. Weißrußland verfügt über eine Nationale Akademie der Wissenschaften; der staatliche, öffentlich zugängliche Hochschulsektor umfasst zwölf Universitäten, fünf Akademien und 16 Institute. Darüber hinaus gibt es zwölf private Hochschulen. |
|
| zurück |
|
Die Umstrukturierung zur Marktwirtschaft setzte in Weißrußland erst relativ spät ein (Privatisierungsgesetz im Februar 1993) und vollzieht sich langsam. Die verheerenden Folgen des Reaktorunfalls in Tschernobyl für die Wirtschaft, die stark verteuerten russischen Energielieferungen sowie der Verlust westlicher Absatzmärkte und fehlende Modernisierungs-und Privatisierungsbemühungen, gepaart mit einer reformunwilligen Haltung verantwortlicher Kräfte in Regierung und Verwaltung, wirkten sich hemmend auf die Wirtschaftsentwicklung aus, wobei besonders die Landwirtschaft betroffen ist. Durch eine starke Anlehnung an Russland sollen die wirtschaftlichen Probleme des Landes schneller überwunden werden.
Angebaut werden u.a. Hafer, Roggen, Weizen, Triticale, Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse; im Norden wird u.a. Flachs angebaut, im Süden auch Hanf. Führend ist die Viehhaltung, besonders von Rindern (Milcherzeugung) und Schweinen. An Bodenschätzen werden Kalisalze, Steinsalz, Torf und Phosphate, in geringen Mengen Erdöl und Erdgas gefördert. Der hohe Anteil von Torf bei der Energieerzeugung führt zu starken Umweltbelastungen. Der Aufbau einer Industrie begann erst in den 1950er und 1960er Jahren. Sie verfügt über ein relativ gut ausgebautes verarbeitendes Gewerbe, ist aber stark von Rohstoff- und Energieimporten abhängig.
Ausgeführt werden Kalidüngemittel, Chemieerzeugnisse und Konsumgüter (besonders Textilien) sowie Maschinenbauprodukte. Hauptimportgüter sind neben Energierohstoffen und Elektroenergie auch Maschinen, Industrieausrüstungen und Fahrzeuge, Lebensmittel sowie metallurgische Erzeugnisse. Der hohe Bedarf an Nahrungsmitteln wie Getreide, Zucker und Pflanzenöl sowie an Medikamenten für radioaktiver Strahlung ausgesetzte Menschen kann im Wesentlichen nur durch Kompensationsgeschäfte gedeckt werden. Haupthandelspartner sind Russland (1998: 59 Prozent des Außenhandelsumsatzes), die Ukraine, Deutschland, Polen, Litauen und Lettland.
|
||
| zurück |
- Anfänge bis 19. Jahrhundert -
|
Nach der Besiedlung durch Ostslawen bildeten sich auf dem Gebiet von Weißrußland in der 2. Hälfte des 1. Jahrtausends n. Chr. die Stämme der Dregowitschen, Radimitschen und Kriwitschen heraus. Die von ihnen begründeten Fürstentümer (z.B. Polozk) gerieten ab dem 9. Jahrhundert unter die Herrschaft des Kiewer Reiches, dessen Großfürsten das Christentum in Weißrußland einführten.
Mit der Union von Lublin (1569) zwischen Litauen und Polen wuchs der polnische Einfluß in Weißrußland, dessen Adel überwiegend die polnische Sprache annahm und zum Katholizismus konvertierte, während die übrige (vorwiegend bäuerliche) Bevölkerung der orthodoxen Kirche verbunden blieb. Zahlreiche weißrussische Städte entwickelten sich zu Handels- und Handwerkszentren; das einer Reihe von ihnen zugestandene Magdeburger Stadtrecht (u.a. Minsk 1499, Witebsk 1597) gestattete ihnen die Selbstverwaltung. Mit den Polnischen Teilungen (1772, 1793 und 1795) kam Weißrußland zum Russischen Reich; während des Rußlandfeldzuges Napoleons I. fand 1812 auf weißrussischem Territorium die Schlacht an der Beresina statt. Im 19. Jahrhundert bildeten sich Anfänge einer weißrussischen Nationalbewegung heraus; 1898 wurde in Minsk die "Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands" gegründet. |
- Erster und Zweiter Weltkrieg -
|
Im Ersten Weltkrieg besetzten deutsche Truppen 1915 zunächst westliche Teile, im Februar 1918 weitere Gebiete von Weißrußland einschließlich der Hauptstadt Minsk. Die nach dem Sturz des Zaren 1917 gebildete bürgerliche "Weißrussische Rada" strebte ein selbstständiges Weißrußland an; eine im März 1918 von ihr ausgerufene Volksrepublik wurde jedoch von der deutschen Besatzungsmacht nicht anerkannt. Bis Anfang Januar 1919 etablierte sich die Sowjetmacht in ganz Weißrußland (Ausrufung der Weißrussischen SSR am 1.1.1919); von Februar bis April 1919 bestand die Litauisch-Weißrussische SSR ("Litbel"). Nach dem Polnisch-Sowjetischen Krieg musste Weißrußland im Frieden von Riga (18.3.1921) seine westlichen Gebiete an Polen abtreten. Im Dezember 1922 gehörte es zu den Gründungsmitgliedern der UdSSR. 1924 und 1926 wurde sein Territorium um einige zuvor zu Russland (RSFSR) gehörende Gebiete (hauptsächlich Witebsk und Gomel sowie ein Kreis des Smolensker Gebiets) vergrößert. Ende der 1920er Jahre setzten die Repressalien der stalinschen Diktatur gegen die nationale Intelligenz und die Bauernschaft ein.
|
- Nachkriegszeit bis 1990 -
|
In den Nachkriegsjahrzehnten durchlief Weißrußland eine Industrialisierungsphase (Höhepunkt der wirtschaftlichen Modernisierung unter dem weißrussischen Parteichef Pëtr Mascherau 1965 - 1980); zwischen 1970 und 1984 wies Weißrußland sogar das größte Wirtschaftswachstum aller Unionsrepubliken auf. Damit einher ging eine verstärkte Russifizierung Weißrußlands (Besetzung zahlreicher hoher Partei- und Verwaltungsämter durch Russen, Verdrängung der weißrussischen Sprache aus dem öffentlichen Leben). Weißrußland galt bis zum Zerfall der Sowjetunion als eine weitgehend "ruhige" Sowjetrepublik. Allerdings mobilisierte das Reaktorunglück im ukrainischen Tschernobyl vom 26.4.1986, das sich in Weißrußland weitaus verheerender auswirkte als in der Nachbarrepublik, große Teile der weißrussischen Bevölkerung gegen die sowjetische Zentralregierung, u.a. wegen deren verharmlosender Informationspolitik und der schweren Versäumnisse bei der Bewältigung der Folgen der Katastrophe (erst 1989 wurden umfangreiche Maßnahmen zur Dekontaminierung der verstrahlten Gebiete und zur Evakuierung der betroffenen Menschen eingeleitet). |
- Seit 1990 -
|
Im Januar 1994 setzte das Parlament den als Staatsoberhaupt fungierenden, reformorientierten Parlamentspräsidenten Schuschkjewitsch durch ein Misstrauensvotum ab. Nach Einführung der Verfassung wurde im Juli 1994 A. Lukaschenka zum Staatspräsidenten gewählt; dieser suchte in der Folgezeit ein Präsidialregime zu errichten und unterdrückte zunehmend die Opposition (u.a. im August 1995 Verbot der freien Gewerkschaften, zunehmende Pressezensur); dennoch kam es immer wieder zu politischen Demonstrationen, aber auch wirtschaftlich-sozial motivierten Streiks. Im November 1996 setzte Lukaschenka ein international kritisiertes Verfassungsreferendum durch, das zur Auflösung des Obersten Sowjets führte und die Einführung eines Zweikammerparlaments sowie eine stärkere Stellung des Präsidenten autorisierte; zugleich ließ sich Lukaschenka seine Amtszeit bis 2001 verlängern. Die innenpolitische Situation spitzte sich danach weiter zu. Der Versuch des von Lukaschenka entmachteten Obersten Sowjets, am 16.5.1999 Präsidentschaftswahlen durchzuführen (Teilnahme von angeblich 53 Prozent der Stimmberechtigten), scheiterte nicht nur an den staatlichen Repressionen (zahlreiche Verhaftungen), sondern auch an der Uneinigkeit der Opposition. In den umstrittenen, von verschiedenen Oppositionsparteien boykottierten Parlamentswahlen im Oktober 2000 setzten sich mehrheitlich Gefolgsleute von Lukaschenka durch.
... wird fortgesetzt ... |
| zurück |
Bildergalerie |
| zurück |
|
- Länderbericht Weißrußland, herausgegeben vom Statistischen Bundesamt. Stuttgart 1994 |
||